Ärger als der Ärger

Feindseligkeit ist die schlimmste Steigerungsform von Ärger. Das ist die einzige Komponente, die vom früher oft beschriebenen so genannten "Typ-A-Verhaltensmuster" übergeblieben ist. Bis vor kurzem meinten Stress- und Verhaltensforscher, dass Menschen, die von starkem Konkurrenzstreben und rivalisierendem Verhalten getrieben sind, ungeduldig, kompromisslos und mit überdurchschnittlichem Einsatz ihre ehrgeizigen Ziele verfolgen, generell ein höheres Gesundheitsrisiko tragen. Neueste Forschungen haben diese These stark relativiert. Ein erhöhtes Risiko haben demnach vor allem jene, die leicht zu verärgern und grundsätzlich feindselig eingestellt sind.

Wer seiner Umwelt so begegnet, wird dort auch kaum Unterstützung finden. So zeigen zahlreiche Studien, dass soziale Isolation und feindselige Gefühle eine besonders fatale Kombination ergeben. Eine große Untersuchung der US-Gesundheitsbehörden zeigte, dass Frauen mit diesem Profil zweieinhalbmal so oft einen Herzinfarkt bekommen und solche Männer doppelt so oft an Angina pectoris leiden.

Feindseligkeit wirkt fataler als Ärger allein. Während Ärger - und Ärger zeigen - einen Konflikt sichtbar macht und so zumindest die Chance bietet, ihn zu beenden, zielt Feindseligkeit auf Zerstörung ab, vordergründig auf die des Hassobjekts. Doch wer sich die Lebensgeschichte von feindseligen Charakteren genauer ansieht, wird erkennen, dass sie sich den größten Schaden selbst zufügen.

In einer Studie der Duke University wurden Studenten zu ihren Lebenseinstellungen befragt und über Jahre begleitet. Jene, die einen besonders feindseligen Charakter hatten, vereinten zur Lebensmitte deutlich mehr und ausgeprägtere Risikofaktoren: Sie rauchten öfter, tranken mehr, verfügten über weniger Freunde und waren beruflich erfolgloser. Bei jenen, wo sich die negativen Gefühle im Lauf des Lebens weiter verstärkt hatten, war der Lebensstil noch bedenklicher. Sie waren sozial noch stärker isoliert, trieben wenig Sport, hatten häufiger Übergewicht und steckten öfter in familiären Krisen oder waren von Unglücksfällen betroffen.

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